• Frage: Wie können wir die Energiewende schnellstmöglich schaffen? Was haben wir noch für Möglichkeiten sie zu beschleunigen?

    Frage gestellt Tamani am 8 Apr 2022.
    • Foto: Lutz Böhm

      Lutz Böhm Beantwortet am 16 Mrz 2022:


      Hier gibt es sicherlich mehrere Dinge, die das beeinflussen. Zum Einen muss es technisch umsetzbar sein. Das heißt zum Beispiel, dass häufig die besten Voraussetzungen für die Erzeugung von Energie nicht an den Orten herrscht, wo sie benötigt wird. Mal ein beliebiges Beispiel: Man könnte in einer Wüste ganz viele Photovoltaikanlagen bauen, aber in der Wüste leben die meisten Menschen nicht. Neben dem Punkt, dass diese ganzen Anlagen hergestellt und aufgebaut werden müssen, muss man dann auch noch dafür sorgen, dass der Strom auch dahin transportiert wird, wo er verbraucht wird, also da wo die Menschen wohnen. Das ist technisch durchaus anspruchsvoll (aber lösbar). Eine wichtige Frage ist aber eben auch der politische Wille. Die Politik bestimmt, wo zum Beispiel Windkraftanlagen gebaut werden dürfen und wo nicht. Das ist grundsätzlich auch sinnvoll. Manche Regeln und Gesetze machen es aber schwer, zum Beispiel genug Windkraftanlagen zu bauen.
      Also naja, viele Einflüsse. Ich persönlich denke: wenn es die Politik möchte und entsprechende Regeln und Gesetze macht, dann können wir das umsetzen. Die technischen Herausforderungen werden wir dann schon überwinden, da habe ich keinen Zweifel.

    • Foto: Klaus Stein

      Klaus Stein Beantwortet am 16 Mrz 2022: last edited 16 Mrz 2022 13:04


      Wir müssen es politisch wollen. Die Energiewende ist ein soziales Problem, kein technisches.

      Ein einfaches Beispiel ist das Auto. Wir wissen schon sehr lange (über 30 Jahre), wie wir ein 3-Liter-Auto bauen können, aber dies wurde weder von der Politik gefördert noch wurde es gekauft. Stattdessen kaufen die Menschen lieber dicke SUVs, die viel mehr verbrauchen.
      Die Niederlande haben ihre Städte so umgebaut, dass die Menschen alles mit dem Fahrrad und den öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen können. In Deutschland hingegen wurden beispielsweise viele Bahnstrecken stillgelegt, Güter und Menschen über die Straße statt Schiene befördert.
      In meiner Kindheit war es etwas sehr besonderes zu fliegen, niemand ist jedes Jahr in den Urlaub geflogen.

      Wir wissen eigentlich seit 150 Jahren, wie das mit CO₂ und Erderwärmung ist und seit 50 Jahren wissen wir eigentlich, was passieren wird, wenn wir nichts tun. 1992 haben auf der Weltklimakonferenz in Rio alle Regierungschefs aller Länder auch offiziell eingesehen, dass wir was tun müssen. Trotzdem stoßen wir seitdem jedes Jahr mehr und nicht weniger CO₂ aus – und wir haben auch vor 50 Jahren schon gegessen, geheizt, und sind durch die Gegend gefahren, es ging also.

      Zudem haben wir heutzutage viel bessere Windräder, Solaranlagen, Batterien usw.

      Wir haben es in den letzten 50 Jahren versäumt, das zu tun, was nötig gewesen wäre, das ist unsere Schuld, nicht eure (und die der Erdölindustrie, die sehr viel Propaganda gemacht haben, um noch reicher zu werden). Daher müssen wir leider heute viel stärkere und radikalere Maßnahmen ergreifen, aber das heißt nicht, dass es nicht möglich wäre.

      Viel zu viele Menschen verdienen gut daran, das Klima kaputt zu machen, und diese Menschen haben zu viel Macht, und reden uns anderen ein, dass man halt nichts machen kann. Das ist falsch. Wir müssen Sachen anders machen, und wir müssen schnell und effizient sein (und manches mag auch unangenehm sein). Vor allem aber müssen wir dafür sorgen, daß diese Menschen keine Macht mehr haben, daß unsere Politiker nicht mehr auf sie hören. Deswegen sind Demonstrationen wichtig, deswegen ist wichtig, niemand mehr zu wählen, der nicht so handelt, deswegen ist politisches und gesellschaftliches Handeln so wichtig.

      Wenn wir keine Lebensmittelläden im Dorf oder in der Stadt haben, wenn der Supermarkt nur mit dem Auto erreichbar ist, wenn es für Kinder wie Erwachsene zu gefährlich ist, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren, wenn der ÖPNV zu selten und unpraktisch fährt, wenn Chefs ihre Mitarbeitys zwingen, jeden Tag viele Kilometer ins Büro zu fahren, obwohl wir in der Pandemie gelernt haben, wie viel auch im Homeoffice funktioniert (und daß ein Treffen im Büro einmal die Woche vielleicht reichen würde), wenn also unser Alltag so organisiert ist, dass wir auf das Auto angewiesen sind, fühlen wir uns gezwungen es zu nutzen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir unsere Städte und unsere Arbeit umbauen, und das geht auch, andere Länder schaffen das auch.

      Und wir müssen Menschen aufklären. Ich sehe weiterhin regelmäßig Autos, die mit laufendem Motor am Straßenrand stehen, Menschen, die sich Spritfresser kaufen und keine 500m zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren wollen.

      Ich glaube, dass Fahrradanhänger, Lastenräder, E-Bikes ein wichtiger Schritt sind, weil sie uns erlauben, vieles mit viel weniger CO₂-Ausstoß zu transportieren und auch Menschen, die früher den Hügel mit dem Rad nicht hochgekommen wären die Nutzung erlauben.

      Und Transport ist natürlich nur ein Teil unseres Verbrauchs. Auch in vielen anderen Bereichen ist sehr vieles möglich, und in vielen Bereichen der Industrie – von Lebensmittelerzeugung bis zur Schwerindustrie – gäbe es viele Möglichkeiten der Energieeinspeisung, die einfach nicht genutzt werden, weil sie etwas teurer wären. Hier müssen wir den CO₂-Ausstoß richtig teuer machen, damit es sich für Firmen lohnt, Energie zu sparen. Und wir müssen zum Ausgleich dafür sorgen, daß sich gerade finanziell schwächere Menschen noch die Waren des täglichen Bedarfs leisten können. Auch das ist ein politisches Problem: welche Regeln (Gesetze) wollen wir, und wie können wir dafür sorgen, daß das nicht zu Lasten der Armen geht?

      Ich habe keine Bedenken, daß wir das technisch schaffen können. Ich habe Angst, dass wir es politisch und gesellschaftlich nicht hinkriegen.

      Denn letztlich ist alles, was wir jetzt tun, viel preiswerter als die Kosten, die ihr in der Zukunft haben werdet, wenn wir nichts tun. Wenn die Klimakriege losbrechen, weil eine Milliarde Menschen ihre Heimat verlassen, Hungersnöte ausbrechen, hier in Deutschland die Wälder absterben, Moskitos Krankheiten verbreiten, die wir nur aus dem Urlaub kennen, unsere Küstenstädte unter Wasser stehen, Unwetter ganze Dörfer und Städte wegschwemmen usw.
      Alles, was wir jetzt tun, lohnt sich vielfach.

      Ich wünsche uns und vor allem euch, dass wir das hinkriegen – politisch und gesellschaftlich.

    • Foto: Olav Werhahn

      Olav Werhahn Beantwortet am 16 Mrz 2022:


      Klare Meinung: Wir können eine Energiewende schaffen, wenn wir die Entscheidung dafür treffen. Das gilt allerdings auch für jeden Einzelnen und bedeutet, dass jeder Beitrag zählt. Vielleicht ist es auch ganz gut, gleichzeitig verschiedene Wege zu bestreiten – der, der am besten funktioniert ist am Ende vorne ohne das die Beiträge der anderen dann zu vergessen wären. Allerdings sollte man eine Entscheidung auch dann einen Schritt lang verfolgen und nicht gleich bei der ersten Schwierigkeit wieder alles über Bord werfen, was eben noch für richtig erachtet wurde. ‚Grüner Wasserstoff‘ – eine Idee ist es allemal. Verbrennungsmotore, die weniger Kraftstoff verbrauchen und dabei vielleicht sogar ‚grünen‘ Kraftstoff tanken, sind aber auch nicht schlechter als E-mobile Verkehrstechnik, die batteriebetrieben mit kritischen Rohstoffen produziert worden ist.

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